Osteoporose ist der so genannte Knochenschwund. Es handelt sich um eine das ganze Skelett betreffende Erkrankung, die mit einer verminderten Knochendichte und erhöhter Knochenbrüchigkeit einhergeht. Auch wenn das gesamte Skelett betroffen ist, so ist jedoch nicht jeder Knochen in gleichem Ausmaß verändert.
In vielen Fällen verläuft eine Osteoporose schleichend. Erst wenn ein Bruch auftritt, wird eine Diagnose gestellt. Verschiedene Methoden zur Bestimmung der Knochendichte und Analyse der Risikofaktoren helfen dem behandelnden Arzt, ebenso wie die Untersuchung des Sturzrisikos und diverse Laboruntersuchungen. Bitte beachten Sie: Brüche des Nasenbeins, Schlüsselbein, Schädels oder der Zehen, sind NICHT typisch für eine Osteoporose.
Die häufigsten Risikofaktoren und Frühsymptome sind: höheres Lebensalter, weibliches Geschlecht (aber auch Männer sind betroffen), geringes Körpergewicht, Rauchen, früher Eintritt der Wechseljahre, Osteoporose in der Familie, wenig Milchprodukte, bestimmte Medikamente (z.B. Cortison), Alkohol, Bewegungsmangel, Knochenbrüche in der Vorgeschichte und immer wieder kehrende Rückenschmerzen. Bei einem Größenverlust von mehr als 5 cm muss man an bisher nicht entdeckte Wirbelbrüche denken.
Der Knochen baut sich in regelmäßigen Abständen auf und ab. Dabei entstehen durch die Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) Defekte, die durch die Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) wieder aufgefüllt und anschließend mineralisiert werden. Dieser Zyklus dauert ca. 3 bis 4 Monate. Bei einer Osteoporose ist dieser Zyklus gestört, es wird mehr Knochen ab- als aufgebaut.
Die Standardmethode ist die DXA-Methode. Hierbei wird mit sehr geringer Röntgenstrahlung der Kalkgehalt des gesamten Knochens (sog. „Knochendichte“) auf eine Fläche berechnet. Die Hauptmessorte sind die Wirbelsäule und Hüfte. Alternativ kann auch der Unterarm gemessen werden. Die quantitative Computertomographie der Wirbelsäule (QCT) berechnet die innere („trabekuläre“) Dichte der Wirbelsäule als Volumen. Daher kann man die Ergebnisse dieser beiden Methoden schlecht miteinander vergleichen. Die Ultraschalluntersuchung berechnet nicht eine Dichte, sondern die „Steifigkeit“ des Knochens. Es gibt außerdem die Computertomographie der Extremitäten, die sogenannte pQCT. Eine besondere Form der pQCT Methode ist die hochauflösende pQCT (HR-pQCT) Methode, das XTreme CT®. Hierbei wird nicht nur eine Knochendichte errechnet, sondern zusätzlich die Knochenstruktur dargestellt. Deswegen wird sie auch als „virtuelle Knochenbiopsie“ bezeichnet. Für alle diese Methoden gilt, jede Messung ist nur so gut wie der Untersucher, denn es gibt viele Fehlerquellen.
Die Knochenmasse beim Menschen ist altersabhängig. Ungefähr bis zum 30. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse zu, ab da beginnt sie langsam abzunehmen. Bei Frauen beschleunigt sich dieser Verlust nach den Wechseljahren durch den Östrogenverlust für ca. 10 Jahre. Aber auch später verlieren wir weiter an Knochenmasse. Durch die Situation in den Wechseljahren verlieren Frauen mehr Knochenmasse als Männer und erkranken häufiger an Osteoporose. Außerdem haben Frauen eine niedrigere maximale Knochenmasse („peak bone mass") als Männer. Die Bevölkerung wird immer älter, dadurch nimmt die Erkrankungshäufigkeit weiter zu. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 6 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Jede dritte postmenopausale Frau und jeder fünfte Mann über 50 Jahren ist davon betroffen. Alle 3,5 Minuten ereignet sich ein Wirbelbruch bei einer Frau, die älter als 50 Jahre ist.
Ja, es gibt verschiedene Medikamente, die den Knochenabbau stoppen und/oder den Aufbau stimulieren. So kann nicht nur ein Stand erhalten, sondern sogar verbessert werden. Entsprechend Ihres Befundes werden Sie qualifiziert durch unser Fachpersonal beraten. Für alle Medikamente gilt, in Einzelfällen muss zusätzlich Kalzium und fast immer Vitamin D eingenommen werden. Denn es gibt keine Untersuchung, die belegt, ob und wie diese Medikamente ohne zusätzliches Kalzium und Vitamin D wirken. Darüber hinaus ist die Wirkung dieser Medikamente deutlich geringer, wenn nicht durch Bewegung und Sport der Knochenaufbau zusätzlich stimuliert wird. Alle Medikamente sind wirksam und verträglich. Sie können aber auch Nebenwirkungen verursachen. Während der Behandlung werden Sie individuell und umfangreich informiert.
Ja, Sie können die genannten Risikofaktoren verringern, wie z. B. das Rauchen, den Alkohol- und/oder Kaffeekonsum reduzieren. Ein Untergewicht mit einem Body mass Index ‹20 sollte ebenfalls vermieden werden. Sport und Bewegung sind Grundlage jeder Behandlung, denn durch Bewegung wird der Knochenaufbau stimuliert. Viele Lebensmittel, nicht nur Milchprodukte enthalten Kalzium – z. B. Mineralwasser. Sonne ist wichtig, damit das für den Knochen wichtige Kalzium aufgenommen werden kann. Mindestens 60 Minuten Sonnenlicht am Tag sind notwendig, damit unser Vitamin D Spiegel ausgeglichen ist.
Unsere Praxis wird als Privatpraxis und Institut für klinische Studien geführt. Selbstverständlich sind auch gesetzlich versicherte Patienten als Selbstzahler herzlich in meiner Praxis willkommen. Über anfallende Kosten geben wir Ihnen gerne Auskunft. Privat versicherten Patienten erhalten eine Rechnung nach GOÄ, die sie bei ihrer Krankenkasse einreichen können.
Folgende Untersuchungen werden bei einer osteoporotischen Diagnostik durchgeführt:
Erhebung der Risikofaktoren für Osteoporose und Knochenbrüche mit Hilfe von standardisierten und leitliniengerechten Risikofragebögen. Bei Bedarf Untersuchung des Sturzrisikos.
Osteodensitometrie (Knochendichtemessung) von Lendenwirbelsäule und Hüfte (DXA-Technik) zur Diagnostik und Verlaufskontrolle. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, den Unterarm zu messen. Durch den TBS (trabecular bone score) der Lendenwirbelsäule kann mittels Computerprogamm nach erfolgter DXA-Messung der Wirbelsäule die Knochentextur bestimmt werden. Dadurch wird das Knochenbruchrisiko besser eingeschätzt als bei der reinen DXA Untersuchung.
Knochenstrukturanalyse mittels XTreme CT® an Unterarm und Unterschenkel zur genauen Einschätzung des Frakturrisikos und dadurch besseren Therapieempfehlung. Sie wird auch als „virtuelle Knochenbiopsie“ bezeichnet. Uneindeutige Befundkonstellationen können durch diese Untersuchung genauer eingeordnet werden. Sie ermöglicht zusätzlich die kurz- und langfristige Beurteilung des Behandlungserfolges.
Nach Abschluss der Untersuchungen erfolgt eine Besprechung der Befunde und ggf. Beratung zu Lebensstil, Ernährung und Bewegung. Jeder Patient, wenn gewünscht auch zusätzlich der Überweiser, erhält einen ausführlichen Arztbrief.
Weitere Untersuchungen und Therapien unserer Praxis:
Strahlungsarme digitale Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule (IVA) zur Erkennung von bereits vorhandenen Wirbelkörperbrüchen.
Laboruntersuchungen zum Ausschluss sekundärer Ursachen der Osteoporose, Therapiekontrolle und Vitamin D Versorgung. Dabei werden neben den Routineuntersuchungen spezielle Parameter des Knochen- und Kalziumstoffwechsels untersucht.
Untersuchung, Behandlung und Kontrolle von Patienten mit anderen Knochen- und Kalziumstoffwechsel-Störungen (z.B. primärer oder sekundärer Hyperparathyreoidismus, M. Paget, Rachitis, Hypophosphatasie)

Der Knochen enthält organische und anorganische Substanzen. Von den anorganischen Substanzen ist Kalzium das wichtigste Mineral zum Erhalt der Knochenfestigkeit. Jedoch sollte der Einfluss von anderen Mineralstoffen, Spurenelementen, Proteinen und bestimmten Vitaminen auf den Knochen nicht unterschätzt werden.
Es gibt viele Studien auf dem Gebiet der Ernährung mit widersprüchlichen Aussagen. Dies liegt teilweise daran, dass in den Ernährungsstudien die Informationen über die Nahrungsgewohnheiten aus Interviews mit den Teilnehmern ausgewertet und zusätzliche Einflüsse eventuell nicht erfasst werden. Viele Studien sind Kurzzeitstudien, die z. B. die Kalziumaufnahme messen und daraus werden Folgerungen auf die Veränderung von Knochendichte oder Knochenbruchrate gezogen.
Auch wenn die Ernährung einen großen Einfluss auf die Knochengesundheit hat, sollte der Effekt einer Nahrungsumstellung oder vielmehr eines einzelnen Lebensmittels nicht überbewertet werden. So ist z. B. Hartkäse trotz der Säurebelastung aufgrund seines Anteils an Protein und Kalzium sehr knochenfreundlich. Für die Knochengesundheit ist die gesamte Nahrungszufuhr über Jahre relevant. Dabei sollten einseitige Ernährungsformen vermieden werden. Gesichert ist, dass eine Diät, die wenig Gemüse und Früchte, viel Fleisch, viele Süßspeisen, viel Fett und viele gesüßte Getränke beinhaltet, knochenschädlich ist.
Bei der Prävention der Osteoporose spielt eine ausreichende Kalzium- und Proteinzufuhr im Kindes- und Jugendalter eine entscheidende Rolle. In diesem Lebensabschnitt ist die Einlagerung von Kalzium in die Knochenmatrix am effektivsten. Im 2. Lebensjahrzehnt werden täglich ca. 170 mg Kalzium in den Knochen eingebaut. Größere Studien haben nachgewiesen, dass sportliche Belastung in diesem Alter die Kalziumaufnahme und den Effekt auf die Knochenmasse zusätzlich steigert. Der Zeitpunkt, an dem der Mensch seine höchste Knochenmasse erreicht, nennt man „peak bone mass“ (Spitzenknochenmasse). Anschließend (etwa ab dem 30. Lebensjahr) verringert sich die Knochendichte mit zunehmendem Alter.
Eine Osteoporose kann also entstehen, wenn nicht ausreichend Knochenmasse aufgebaut wurde oder wenn die Verluste im Alter unverhältnismäßig hoch sind. Die Prävention der Osteoporose besteht darin, eine möglichst hohe peak bone mass, d. h. maximale Knochenmasse aufzubauen. Dies lässt sich durch regelmäßige körperliche Betätigung und eine kalziumreiche Kost erreichen. Dabei erreichen bestimmte Sportarten, mit Leistungsspitzen, wie z. B. Leichtathletik oder Fußball, einen höheren Effekt auf die Knochendichtezunahme als Sportarten, wie z. B. Schwimmen oder Radfahren.
Zur Vorbeugung einer Osteoporose wird die tägliche Einnahme von 1200 bis 1500 mg Kalzium mit der Nahrung empfohlen. Der Kalziumbedarf ist abhängig vom Lebensalter. Bei einer durchschnittlichen Nahrungszufuhr nimmt man in der Regel ca. 400 - 500 mg Kalzium auch bei vollkommenem Verzicht auf Milchprodukte zu sich. In der Schwangerschaft und während des Stillens ist der Kalziumbedarf erhöht, da der Embryo bzw. der Säugling auf die Zufuhr von Kalzium durch die Mutter angewiesen ist. Bei einer mangelnden Versorgung werden die Kalziumspeicher der Knochen der Mutter angegriffen, so dass es langfristig zu einer Unterversorgung mit diesem Mineralstoff kommen kann. Bei Heranwachsenden ist der Kalziumbedarf wegen des Knochenwachstums erhöht. Eltern sollten deshalb auf eine angemessene Versorgung ihres Kindes mit Kalzium achten.
Eine Einschränkung der Kalziumzufuhr ist nur beim Vorliegen eines primären Hyperparathyreoidismus angezeigt (Überfunktion der Nebenschilddrüsen). Die tatsächliche Kalziumaufnahme über den Darm beträgt ca. 25%. Sie ist abhängig von der Zufuhr. Bei Anstieg der Kalziumzufuhr sinkt die Resorption und umgekehrt steigt sie, wenn man nicht ausreichend Kalzium zu sich nimmt. Mit höherem Lebensalter sinkt die Quote ab. Ältere Menschen kommen in eine negative Bilanz, wenn sie 800 mg Kalzium und weniger pro Tag zu sich nehmen. Daher ist bei ihnen die Kalziumzufuhr aus der Nahrung zu bevorzugen und zusätzlich die Einnahme von niedrig dosierten Kalziumpräparaten über den Tag verteilt sinnvoll.
Die besten Kalziumquellen sind Milch und Milchprodukte. Milchprodukte sind in einer westlichen Diät die größte Kalziumquelle. Sie enthalten außerdem Proteine. Ohne diese Lebensmittel ist eine ausreichende Deckung des täglichen Bedarfs kaum möglich. Sie sollten deshalb regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Bei Erwachsenen sollte aufgrund des ungünstigen Verhältnisses von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren jedoch fettarme Produkte bevorzugt werden. Im Internet gibt es Seiten, die den Konsum von Milch und Milchprodukten als gesundheitsschädigend bezeichnen. Hier muss zwischen Milch und sauer vergorenen Milchprodukten, wie Käse und Joghurt unterschieden werden. Milch enthält, im Gegensatz zu sauer vergorenen Milchprodukten, viel Galaktose und Lactose und ist daher für den Erwachsenen nicht so vorteilhaft. 2014 machte eine schwedische Studie Schlagzeilen, die Viel-Milch-Trinkern ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche bescheinigte. Doch die Arbeit hatte Mängel. Vergleicht man wichtige Studien zum Thema Milchkonsum muss gesagt werden, dass der alleinige Konsum von Milch und Milchprodukten das Osteoporoserisiko nicht senken kann, ein langfristiges Defizit in bestimmten Altersspannen, wie Jugend, Schwangerschaft und frühe Menopause das Risiko erhöht. Sie bleiben ein wichtiger Lieferant für Kalzium und Proteine. Die Empfehlung nach der nationalen Verzehrstudie II von 2015 empfehlen ca. 150-200 g Joghurt und 50-60 g Käse. Ein weiterer guter Kalziumlieferant ist Mineralwasser. Bei der großen Auswahl der Produkte sollte ein Wasser bevorzugt werden, das mindestens 300 mg Kalzium pro Liter enthält und möglichst weniger als 200 mg Natrium.
In einem gewissen Umfang kann Gemüse (z.B. Brokkoli) zur Kalziumversorgung beitragen. Einen hohen Kalziumgehalt weisen auch verschiedene Küchenkräuter wie Petersilie und Dill auf. Ein regelmäßiger Einsatz dieser Kräuter kann somit helfen, den Kochsalzkonsum zu reduzieren, neue Geschmacksrichtungen zu entdecken und die Kalziumaufnahme zu erhöhen.
Eine optimale Kalziumversorgung erreicht man, wenn die zugeführte Kalziummenge über den Tag verteilt wird, also z.B. in Form von mehreren kleinen Milchmahlzeiten. Eine Verbesserung der Kalziumaufnahme wird durch den gleichzeitigen Verzehr von Milchzucker, Zitronen- und Apfelsäure verbessert. Die beiden Säuren sind in verschiedenen Obstsorten enthalten.
Proteine sind sehr wichtig für den Knochen und den Muskel und nur bei gleichzeitig zu geringer Kalziumzufuhr knochenschädigend. Im Alter sinkt der Kalorienbedarf, der Proteinbedarf steigt jedoch. Der tägliche Proteinbedarf beträgt für Erwachsenen 0,8 g/kg Körpergewicht. Die aktuellen Leitlinien zur Behandlung der Osteoporose von 2023 empfehlen Menschen älter als 70 Jahren sogar 1 g/kg Körpergewicht/Tag, da bei älteren Menschen Proteine den Muskelschwund bremsen können. Eine verminderte Proteinzufuhr im Wachstumsalter geht mit einem verminderten Knochenwachstum einher. Tierische Proteine haben dabei einen größeren Knochenschutz als pflanzliche. Dies wurde in einer großen, 10 Jahre lang dauernden Studie mit fast 6000 Männern nachgewiesen. Daher bewirkt eine ausreichende Kalziumzufuhr über Milchprodukte einen größeren Knochendichtezuwachs als eine Kalziumsupplementierung über Tabletten. Proteine sind nur bei gleichzeitig kalziumarmer Kost knochenschädigend. Eine ausreichende Zufuhr von basischen Substanzen wie Gemüse und Obst bei gleichzeitiger Proteinzufuhr ist knochenerhaltend. Bestimmte Obstsorten, z. B. Blaubeeren haben besonders einen positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel.
Ein Kalziummangel kann mehrere Ursachen haben. In den meisten Fällen ist dieser auf eine ungenügende Zufuhr von Kalzium mit der Nahrung zurückzuführen. Aber auch eine gestörte Kalziumaufnahme aus dem Darm sowie eine gesteigerte Kalziumausscheidung über die Nieren können zu einer negativen Kalziumbilanz beitragen. Menschen, die an einer Laktoseintoleranz erkrankt sind, leiden häufiger an Osteoporose, da Milch und milchhaltige Produkte nicht vertragen werden. Für diese Patienten eignen sich vergorene, milchzuckerfreie Produkte, kalziumreiche Mineralwässer oder Kalziumpräparate. Auch bestimmte Gemüsesorten, wie z. B. Brokkoli enthalten viel Kalzium.
In Deutschland leiden ca. 15% der Bevölkerung an Milchzuckerunverträglichkeit, die Erkrankungshäufigkeit nimmt mit höherem Lebensalter zu. Aber Vorsicht, nicht jedes Unwohlsein ist gleichbedeutend mit einer Laktoseintoleranz! Außerdem gibt es Menschen, denen das Enzym Lactase nicht fehlt, die aber Kuhmilchproteine nicht vertragen. Sie beschreiben ähnliche Symptome bei dem Verzehr von Kuhmilchprodukten, vertragen jedoch Ziegen- oder Schafmilchprodukte. Hier sollte eine Abklärung z. B. mit einem Atemtest erfolgen. Häufig kann man Milchprodukte nach einem Auslassversuch von mehreren Monaten wieder gut vertragen. Gerade für Jugendliche ist der Konsum von Milchprodukten wichtig, denn es ist nachgewiesen, dass Jugendliche, die Milchprodukte meiden im höheren Erwachsenenalter ein erhöhtes Knochenbruchrisiko haben.
Koffein und Alkohol bewirken, durch die Hemmung des Hormons Adiuretin eine Förderung der Flüssigkeits- und damit auch Kalziumausscheidung. Auch ein erhöhter Kochsalzverzehr fördert die Ausscheidung von Kalzium über die Niere. Sogenannte Chelatbildner wie Oxalsäure (v.a. in Rhabarber, Spinat und Mangold) und Phytine (in ballaststoffreichen Lebensmitteln wie z.B. Kleie) werden auch als Kalziumräuber bezeichnet. Sie sind in der Lage, Kalzium sowie andere Mineralstoffe und Spurenelemente im Darm zu binden und somit deren Aufnahme zu verringern. Diese organischen Säuren werden durch Erhitzen inaktiviert. Folgende Lebensmittel enthalten besonders viel Oxalsäure: Amaranth, Portulak, Pfefferminz-Blätter, schwarze Teesorten, Spinat, Sternfrüchte, Rhabarber, Yamswurzel, Mangold, Sauerampfer und manche Arten Weizenkleie. Rohköstler sollten deshalb darauf achten, dass nicht mehr als 50% der täglichen Nahrung im rohen Zustand verspeist werden. Eine Verminderung der Kalziumaufnahme wird auch bei einer Behandlung mit sogenannten Protonenpumpenhemmern zur Verminderung der Magensäuresekretion beobachtet.
Für einen gesunden Organismus müssen neben Kalzium genügend Proteine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine auf dem Speiseplan stehen.
Dabei sind besonders wichtig:
Folsäure (Spinat, Grünkohl, Endiviensalat, Gurken, Tomaten, Spargel, Zitrusfrüchte, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Fleisch Innereien, Hefe), Magnesium (Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorngetreide, Fisch), Zink (mageres, rotes Fleisch, Geflügel, Vollkorn), Carotinoide (Vorstufe zu Vitamin A: Rote Paprika, Karotten oder grünes Blattgemüse), Vitamin K (grünes Blattgemüse, Spinat, Leber, Trockenfrüchte)
Vitamin K ist ein Sammelbegriff für verschiedene fettlösliche Moleküle mit unterschiedlicher Wirkung und Pharmakologie, deren physiologische Bedeutung im Bereich der Blutgerinnung, der geordneten Mineralisierung des Skeletts und der Verhinderung von Verkalkung wichtiger Strukturen und Geweben liegt. Vitamin K2 unterstützt evtl. die Osteoporosebehandlung durch Aktivierung entscheidender Proteine (Eiweißverbindungen) im Knochenstoffwechsel wie Osteocalcin und die Vitamin D Wirkung auf den Knochen. Es wird häufig in der Prävention der Osteoporose eingesetzt. Ein Einfluss auf die Fraktursenkung konnte bislang nicht nachgewiesen werden, daher empfehlen die aktuellen Leitlinien in der Therapie der Osteoporose lediglich einen Vitamin K2 Mangel zu verhindern (z.B. bei Patienten mit chron. Darmerkrankungen, jedoch keine generelle Supplementierung von K2. Der tägliche Bedarf beträgt 1 µg/kg Körpergewicht. Dies wird bei einer westlichen Diät meistens erreicht.
Vitamin K1 ist wichtig für die Blutgerinnung.
Der tägliche Bedarf an Folsäure beträgt 300 µg (in 200 g Feldsalat enthalten).
Eine gute Versorgung mit Magnesium stärkt die Knochen. Etwa 60 Prozent des Magnesiums in unserem Körper befinden sich in den Knochen. Dort hilft es, den Knochenstoffwechsel zu regeln. Besonders viel Magnesium enthalten Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Beim Gemüse sind Spinat und Kohlrabi die Spitzenreiter auf der Magnesium-Hitliste, beim Obst Bananen und Himbeeren.
Das wichtigste Vitamin des Knochenstoffwechsels ist das Vitamin D. Ein Vitamin D-Mangel führt zu einer geringeren Aufnahme von Kalzium aus dem Darm. Ca. 80% der Bevölkerung ist nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt. Die Erkrankungsrate nimmt zu. Ursache hierfür ist die mangelnde Bewegung im Freien (mindestens 60 Minuten täglich) und Zunahme des Körpergewichts. Übergewichtige leiden häufiger an Vitamin D Mangel als Schlanke. Besonders häufig ist ein Mangel bei alten und behinderten Menschen, z. B. Heimbewohnern. Vor allem bei diesen ist durch den Einfluss des Vitamin D auf die Muskulatur auch das Sturzrisiko deutlich erhöht. Norddeutschland ist eine sonnenarme Region. Hier kann Vitamin D nur im Sommerhalbjahr gebildet werden. Außerdem hemmt die Bildung von dem Hautpigment Melanin und Sonnenschutzcreme ab Schutzfaktor 30 die Vitamin D Aufnahme. Auch wenn ein Vitamin D Mangel schlecht ist, bedeutet es nicht, dass erhöhte Spiegel gut sind. Mittlerweile gibt es viele Daten, die nachgewiesen haben, dass nicht nur ältere Menschen mit Vitamin D Mangel, sondern auch mit erhöhten Vitamin D Spiegeln ein erhöhtes Sturzrisiko haben. Vitamin D ist fettlöslich und eigentlich ein Hormon. Es reichert sich im Körper an. Daher raten die aktuellen Leitlinien von einer längerfristigen Einnahme von mehr als 2000-4000 IE ab. Generell gilt, dass eine tägliche Einnahme vorteilhafter ist, als die hochdosierte Einnahme einmal wöchentlich. Eine Bolusgabe sollte nicht höher als 20.000 IE betragen. Bedauerlicherweise differieren die angegebenen Normwerte der Labore stark. Außerdem werden unterschiedliche Einheiten eingesetzt. Dies führt zur Verwirrung. Dabei entspricht 2,5 nmol/l einem Wert von 1 ng/ml. Als Faustregel gilt, dass ein Wert von 75-150 nmol/l bzw. 30-60 ng/ml wünschenswert ist. Eine Einnahme von Vitamin D in Tablettenform von mindestens 800 Einheiten (IE) (20µg) pro Tag bei älteren Patienten ist sinnvoll. Vitamin D haltige Lebensmittel sind selten. Die Dosis ist meist nicht ausreichend. So enthalten z. B. 15 Eier oder 500 g Makrele die empfohlene Dosis von 800 IE.
Phosphate sind ein wichtiger Bestandteil des Knochens. Bereits im 19. Jahrhundert war bekannt, dass Phosphor einen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel hat. Mittlerweile wissen wir, dass der Phosphatstoffwechsel durch ein Hormon gesteuert wird, das in den Knochenzellen produziert wird.
Tierversuche haben gezeigt, dass eine zu hohe Phosphatzufuhr die Kalziumaufnahme verschlechtert. Die westliche Ernährung hat einen Phosphatüberschuss. Es gibt bestimmte genetische Erkrankungen, die mit einem erhöhten Phosphatspiegel einhergehen und Verkalkungen außerhalb des Knochens und Gelenkschmerzen einhergehen. Deswegen hatten Phosphate in der Vergangenheit einen schlechten Ruf. Diese Ergebnisse lassen sich bisher durch den klinischen Alltag nicht bestätigen. Häufig wird dagegen ein verminderter Phosphatspiegel bei Patienten beobachtet, die hochdosiert Kalzium in Tablettenform zu sich nehmen. Ein niedriger Phosphatspiegel kann jedoch auch Leitsymptom anderer Erkrankungen sein und bedarf der Abklärung. Er kann einen negativen Einfluss auf die Knochenmineralisation mit erhöhter Knochenbrüchigkeit haben. Man weiß von seltenen genetischen und endokrinologischen Erkrankungen, die mit einem sehr niedrigen Phosphatspiegel einhergehen, die sich in einer Rachitis oder Minderwuchs äußern.
Eine Auflistung an phosphat- und kalziumhaltigen Lebensmitteln können Sie der PDF-Datei entnehmen.
Neben Kalzium sind Mineralstoffe, Spurenelemente und auch Natriumchlorid im Mineralwasser enthalten. Natriumchlorid wird nachgesagt, dass es den Blutdruck steigert. Auf der anderen Seite können sich vor allem ältere Menschen nicht an eine zu geringe Natriumzufuhr anpassen. Dies kann einen Natriummangel zur Folge haben, der sich u.a. durch neurologische Symptome, eine geringe Herzfrequenz und vermehrtes Durstgefühl äußern kann. Aber auch das Knochenbruchrisiko steigt bei einem Natriummangel an. Deshalb sollten Verbraucher die Analysen auf den Flaschenetiketten genau prüfen und entsprechend die Auswahl treffen.
Folgend können Sie den vorherigen Artikel mit Auflistung von Mineralwässern sowie diverse Fragebogen als PDF-Datei ansehen und downloaden.