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Was ist Osteoporose?
Osteoporose ist der so genannte Knochenschwund. Dabei handelt es sich um eine das ganze Skelett betreffende Erkrankung, die mit einer verminderten Knochendichte und erhöhter Knochenbrüchigkeit einhergeht. Auch wenn das gesamte Skelett betroffen ist, so ist jedoch nicht jeder Knochen in gleichem Ausmaß verändert.


Gesunder Knochen
kräftige Knochenbälkchen (Trabekel)

Osteoporose
roter Pfeil zeigt auf unterbrochene Trabekel

Wodurch entsteht Osteoporose?
Der Knochen baut sich in regelmäßigen Abständen auf und ab (siehe folgende Abbildung). Dabei entstehen durch die Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) Defekte, die durch die Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) wieder aufgefüllt und anschließend mineralisiert werden. Dieser Zyklus dauert ca. 3-4 Monate. Bei der Osteoporose ist dieser Zyklus gestört, es wird mehr ab- als aufgebaut.

Knochenumbauzyklus

Osteoporose, eine Volkskrankheit
Die Knochenmasse ist altersabhängig. Bis ungefähr zum 30. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse zu, dann beginnt sie langsam abzunehmen und bei Frauen nach den Wechseljahren beschleunigt sich dieser Verlust durch den Östrogenverlust für ca. 10 Jahre. Aber auch später verlieren wir weiter Knochenmasse. Durch die Situation in den Wechseljahren verlieren Frauen mehr Knochen als Männer und erkranken häufiger an Osteoporose. Außerdem haben Frauen eine niedrigere maximale Knochenmasse ("peak bone mass") als Männer.

Die Bevölkerung wird immer älter, dadurch nimmt die Erkrankungshäufigkeit weiter zu.
Zum jetzigen Zeitpunkt sind ca. 4-6 Millionen Menschen in Deutschland erkrankt. Jede 3. postmenopausale Frau und jeder 5. Mann über 50 Jahren ist davon betroffen. Alle 3,5 Minuten ereignet sich ein Wirbelbruch bei einer Frau, die älter als 50 Jahre ist.

Wie erkenne ich, ob ich gefährdet bin?
Die häufigsten Risikofaktoren und Frühsymptome sind:
- höheres Lebensalter, weibliches Geschlecht (aber auch Männer sind betroffen!)
- Osteoporose in der Familie
- niedriges Körpergewicht, früher Eintritt der Wechseljahre
- Rauchen, Alkohol, Koffein
- wenig Milchprodukte
- bestimmte Medikamente (z.B. Cortison)
- Bewegungsmangel
- Knochenbrüche in der Vorgeschichte und immer wieder kehrende Rückenschmerzen.

Bei einem Größenverlust von mehr als 5 cm muss man an Wirbelbrüche denken

Wie erkenne ich Osteoporose?
In vielen Fällen verläuft die Osteoporose schleichend. Erst wenn ein Bruch auftritt, wird die Diagnose gestellt.
Verschiedene Methoden zur Bestimmung der Knochendichte und Analyse der Risikofaktoren helfen dem behandelnden Arzt, ebenso wie die Untersuchung des Sturzrisikos und Laboruntersuchungen zum Knochenstoffwechsel.

Welche Knochendichtemessmethoden gibt es?
Die Standardmethode ist die DXA Methode. Hierbei wird mit sehr geringer Röntgenstrahlung der Kalkgehalt des Knochens (sog. „Knochendichte“) auf eine Fläche berechnet. Die Hauptmessorte sind Wirbelsäule und Hüfte. Die Leitlinien zur Osteoporosetherapie richten sich mit ihren Empfehlungen nach dieser Methode. Die quantitative Computertomographie der Wirbelsäule (QCT) berechnet die Dichte auf ein Volumen an. Daher kann man die Ergebnisse dieser beiden Methoden schlecht miteinander vergleichen. Es gibt auch Computertomographien der Extremitäten, die nicht nur eine Knochendichte errechnen, sondern zusätzlich die Knochenstruktur darstellen. Die Ultraschalluntersuchung berechnet die „Steifigkeit“ des Knochens. Für alle diese Methoden gilt, jede Messung ist so gut wie der Untersucher, denn es gibt viele Fehlerquellen.

So könnte eine Patientin aussehen


Röntgenbild einer Patientin mit Osteoporose und Wirbelbruch (roter Pfeil)

Der gelbe Pfeil zeigt auf den sog. „Witwenbuckel“
Der Oberkörper wird kürzer. Die Haut bleibt unverändert.

Deswegen kommt es zur Hautfaltenbildung („Tannenbaumphänomen“)

Kann ich etwas selber tun?
Ja, sie können die Risikofaktoren vermindern, wie z. B. Rauchen, Alkohol und Kaffee reduzieren. Ein Untergewicht mit einem Body mass Index <20 sollte ebenfalls vermieden werden. Sport und Bewegung sind die Grundlage jeder Behandlung, denn durch Bewegung wird der Knochenaufbau stimuliert. Dabei hilft z. B. ein Muskelaufbautraining mit einem Vibrationsgerät (z. B. Galileo). Viele Lebensmittel (z. B. Mineralwasser) und nicht nur Milchprodukte enthalten Calcium. Die Sonne ist wichtig, damit das für den Knochen wichtige Calcium aufgenommen werden kann. Mindestens 60 Minuten Sonnenlicht am Tag sind notwendig, damit unser Vitamin D Spiegel ausgeglichen ist.

Kann man Osteoporose behandeln?
Ja, es gibt verschiedene moderne Medikament, die den Knochenabbau stoppen und/oder den Aufbau stimulieren. So wird nicht nur der Stand erhalten, sondern auch verbessert.

Die wichtigsten Medikamente sind die Bisphosphonate, Alendronat, Ibandronat und Risedronat und Zoledronat, die als Tages-, Woche-, Monatstablette und als Jahres und 3 Monats Spritze zur Verfügung stehen. Die „SERM’s“, die die Östrogenwirkung am Knochen imitieren, z. B. Raloxifen, hemmen die Bildung von Knochenfresszellen, ebenso wie die Östrogene. Das Denosumab ist der erste Antikörper, der die Bildung von Knochenfresszellen verhindert. Es wird alle 6 Monate gespritzt. Alle diese Medikamente hemmen den Knochenabbau. Das Strontium Ranelat hemmt nicht nur den Abbau, sondern stimuliert außerdem den Aufbau. Es wird täglich eingenommen und mit Wasser aufgelöst. Das Teriparatid  stimuliert den Aufbau. Dieses Medikament spritzt man täglich subkutan, ähnlich wie beim Diabetes.

Für alle diese Medikamente gilt:
Zusätzlich muss manchmal Calcium und fast immer Vitamin D eingenommen werden, da es keine Untersuchung gibt, die belegt, ob und wie diese Therapien ohne Calcium und Vitamin D wirken. Außerdem wirken diese Medikamente deutlich schlechter, wenn nicht auch Sie durch Bewegung und Sport den Knochenaufbau stimulieren (s. auch Osteoporose und Ernährung).

Welche Nebenwirkungen gibt es und wie oft treten sie auf?

Alle der genannten Medikamente sind sehr gut, aber können auch Nebenwirkungen verursachen. Ich möchte einige der häufigsten Nebenwirkungen erklären. Ob es sich bei den Missempfindungen, die man unter der Therapie verspürt tatsächlich um eine Nebenwirkung handelt, muss im Einzelfall geklärt werden.

Die Bisphosphonate sind Säuren, daher kann bei Tabletteneinnahme eine Übersäuerung des Magens und/oder eine Entzündung der Speiseröhre auftreten. Hier ist die Einhaltung der Einnahmevorschrift (nicht mehr hinlegen) wichtig. Bei Beschwerden sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Da die Bisphosphonate nur zu 1-2% über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden und der rest ausgeschieden wird, ist es außerdem wichtig mindestens 30 Minuten mit der ersten Nahrungsaufnahme zu warten. Die Bisphosphonate werden auch als Spritze bzw. Infusion angeboten. Bei dieser Anwendungsform treffen die oben genannten Nebenwirkungen und Einschränkungen nicht zu, jedoch kann aufgrund der vergleichsweise hohen Menge ein sogenanntes "Akutphase Syndrom" mit ausgeprägten Gliederschmerzen und eventuell Fieber auftreten. Davon sind ca. 5% aller Patienten betroffen, eher weniger.  Diese Nebenwirkung ist vollkommen ungefährlich, aber sehr unangenehm. Sie verschwindet in der Regel nach 3 Tagen und tritt meistens nur nach der ersten Injektion auf. Eine andere Nebenwirkung, die in der letzten Zeit häufig diskutiert wird, ist die Kiefernekrose. Viele Patienten verweigern eine Bisphosphonatbehandlung aus Angst vor einer Kiefernekrose. Diese Nebenwirkung ist jedoch auch beim Denosumab bekannt, also bei allen Wirkstoffen, die den Knochenabbau bremsen. Dazu muss man erstens wissen, was eine Kiefernekrose ist und zweitens, wie häufig sie auftritt. Eine Kiefernekrose ist eine Wundheilungstörung des Kiefers, teilweise mit Freilegung des Knochens, die nach einem zahnärztlichen Eingriff auftritt. Nicht jeder Zahnschmerz ist gleichbedeutend mit einer Kiefernekrose. Man beobachtet die Kiefernekrose vor allem bei Patienten mit einer Tumor Erkrankung, die Bisphosphonate oder Denosumab erhalten. Diese Patienten erhalten diese Medikamente in der ca. 10fachen Dosis eines Osteoporose Patienten. Man geht bei den Tumor Patienten von einem Risiko von 1-2% aus. Bei den Osteoporose Patienten ist das Risiko kleiner als 1 Promille. Trotzdem sollte man seinen Zahnarzt darüber informieren, wenn man Bisphosphonate oder Denosumab erhält.

Weitere Nebenwirkungen unter Denosumab sind ein Ischias Syndrom, Hautausschläge und ein vermehrter Harndrang, bzw. Harnwegsinfekte. jedoch sind auch diese Nebenwirkungen selten und verschwinden spätestens nach wenigen Wochen.

Das Strontium Ranelat kann als oral eingenommenes Medikament ebenfalls Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt verursachen. Da es mit einem leicht erhöhten Thrombose Risiko einhergeht, sollte man bei Patienten, die in der Vorgeschichte eine Thrombose hatten, vorsichtig sein. Bei einem allergischen Hautausschlag innerhalb der ersten 4-6 Wochen sollte man seinen Arzt informieren.

Das Raloxifen wirkt teilweise wie ein Antiöstrogen. Dies kann sich in Wrechseljahressympromen äußern. Auch hier ist das Thrombose Risiko leicht erhöht. Der positive Effekt ist eine Senkung des Brustkrebsrisikos.

Teriparatid und Parathormon erhöhen die Calcium Aufnahme aus dem Magen Darm Trakt. daher kann der Blutcalcium Spiegel und die Ausscheidung über den Urin ansteigen. Es können also Nierensteine auftreten. Einige Patienten verspüren in den ersten Wochen Schmerzen im Sprunggelenk. Auch diese Beschwerden verschwinden ähnlich wie das Akutphase Syndrom der Bisphosphonate ohne Folgen.

 

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Osteoporosediagnostik jenseits der Knochendichte
(Innen)-Ansichten eines Knochens
Osteoporose - was hilft wirklich?
Methoden zur Knochendichtemessung
Mangelernährung und die Folgen für den Knochen

Osteoporose, Xtreme CT, x-treme CT, DXA, Knochendichte, Knochenstruktur, Dr. Isolde Frieling, Prof. Hans-Peter Kruse